Chronik des Falls Guttenberg
Mittwoch, 16.02.2011
Erste öffentliche Plagiats-Vorwürfe gegen zu Guttenberg. Der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano entdeckte bei einer Routineprüfung auffallende Parallelen in Guttenbergs Dissertation zu anderen Texten. Fischer-Lescano sagte, die Doktorarbeit sei an mehreren Stellen “ein dreistes Plagiat” und “eine Täuschung”.
Guttenberg lies über einen Sprecher erklären:
Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.
Guttenberg sagte außerdem, keiner seiner Mitarbeiter habe an seiner Dissertation mitgewirkt und
Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.
Donnerstag, 17.02.2011
Rapport bei Kanzlerin Merkel – Entwicklung einer Strategie?
Freitag, 18.02.2011
Guttenbergs Statement vor ausgewählten Journalisten.
Erklärung: “Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Universität Bayreuth…”
“Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten – allerdings nur bis dahin”
Montag, 21.02.2011
Das jedem zugängliche Internet-Forum GuttenPlag.wiki.com veröffentlicht seit Bekanntwerden der Vorwürfe in Guttenbergs Arbeit gefundene Plagiate. Siehe nebenstehende Grafik.
http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Zwischenbericht
Montag, 21.02.2011
Auftritt vor Parteifreunden in Kelkheim, Guttenberg will seinen Doktortitel dauerhaft nicht mehr führen, Schreiben an Uni Bayreuth mit der Bitte, den Titel zurückzunehmen.
…und nach dieser Beschäftigung habe ich auch festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde.
Ich sage das ganz bewußt, weil ich am Wochenende auch, nachdem ich diese Arbeit mir intensiv noch einmal angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen. Ich habe diese Fehler nicht bewußt gemacht, ich habe auch nicht bewußt oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht und musste mich natürlich auch selbst fragen, meine Damen und Herren, wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren? Und so ist es, dass man nach einem Blick dann zurückwirft und feststellt, man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren möglicherweise an der einen oder anderen Stelle, an der einen oder anderen Stelle auch zuviel, auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren.
Mittwoch, 23.02.2011
Guttenberg vor dem Bundestag.
Mittwoch, 23.02.2011, abends
Entzug des Doktorgrades durch die Universität Bayreuth. Eine unüblich schnelle Reaktion. Die Universität begründete den Entzug des Titels mit der Feststellung, Guttenberg habe “in erheblichem Umfang” gegen Zitierpflichten verstoßen.
Der Vorwurf der Täuschung wurde zunächst nicht geprüft, wird aber geprüft werden müssen. Das Ergebnis dieser Untersuchung wird mehrere Wochen auf sich warten lassen. Genug Zeit, um ausreichend Gras über die Sache wachsen zu lassen?
Samstag, 26.02.2011
Prof. Lepsius, Nachfolger von zu Guttenbergs Doktorvater an der Universität Bayreuth, findet sehr klare, unmissverständliche Worte zu den Plagiatsvorwürfen. Er nennt zu Guttenberg einen Betrüger und fragt nach der Einschätzung eines Psychologen zu der offensichtlichen Wirklichkeitsverdrängung von Karl-Theodor zu Guttenberg.
Ein sehr interessantes Interview mit mutigen Antworten (siehe Video).
Dienstag, 01.03.2011
Rücktritt – und auch hier kein ehrliches Wort (siehe Video).
Der schneidige Freiherr zu Guttenberg tritt nicht wegen
meiner so fehlerhaften Doktorarbeit…
zurück, sondern nur aus purem Verantwortungsbewußtsein seinem Amt und seinen Schutzbefohlenen gegenüber.
Er hat gekämpft, bis an die Grenzen seiner Kräfte, und opfert sich jetzt. Für seine Soldaten, für seine Partei, für seine Familie, für Deutschland womöglich.
Und jetzt, zum guten (?) Schluss einen Verweis auf ein Video, das sich wirklich lohnt.
Volker Pispers, den ich einfach nur saugut finde, bringt es wieder mal auf den Punkt. Ansehen, bitte.